Einmal PKV und zurück? Welche Argumente dagegen sprechen.

Nicht nur seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie fragen sich langjährig  privat vollversicherte Kunden immer wieder, ob es möglich ist, in die GKV zurückzukehren.

Claudia Willeke, PKV-Expertin bei MAXPOOL, ist dieser Frage auf den Grund gegangen.

Zunächst: Von der privaten in die gesetzliche Krankenkasse zu wechseln macht oft überhaupt keinen Sinn. Der Grund: Für alle Kunden mit einem Brutto-Einkommen von 62.500 Euro oder mehr liegt der GKV-Höchstsatz aktuell bei etwa 880 Euro inklusive Pflicht-Pflegeversicherung. Kaum ein bereits langjährig in der PKV versicherter Kunde zahlt einen vergleichbar hohen Beitrag in seine aktuelle PKV – es sei denn, er hat ein sehr gutes Krankentagegeld, eine Pflegezusatzversicherung oder vernünftige Beitragsentlastung im Alter mitversichert. Für privat Versicherte ist es sinnvoller, innerhalb des eigenen PKV-Vertrages den Tarif zu wechseln, um die sehr guten Leistungen – erst recht in der Corona-Zeit – zu behalten und weiter Altersrückstellungen anzusparen.

Vielen Kunden, die einen Wechsel von der PKV in die GKV anfragen, ist nicht bekannt, dass ein Arbeitgeberzuschuss sowohl in der GKV als auch in der PKV gezahlt wird. Oft erkennen Kunden bei solchen Anfragen auch erstmals, dass der KV-Beitrag und der Beitrag zur Pflegepflichtversicherung in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden können.

Aktuell versucht die Bundesregierung, die gesetzlichen Krankenkassen zu unterstützen, da sie nach dem Umlageverfahren aufgestellt sind. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie können aktuell Millionen Menschen ihre Beiträge nicht mehr zahlen, wofür die gesetzlich Krankenversicherten im Umlageverfahren aufkommen müssen. Hier haben privat Versicherte einen Vorteil, denn in der PKV gibt es ein solches Umlageverfahren nicht. Vielmehr werden Vertrag und Beitrag nach dem sichereren Anwartschaftsdeckungsverfahren gebildet.

Auch nach Vollendung des 55. Lebensjahres ist ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung grundsätzlich nicht möglich. Diese Regelung ist – das zeigt die Praxis – den Betroffenen oft nicht bekannt.

  1. Haben die Betreffenden aber das 55. Lebensjahr vollendet, ist eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung grundsätzlich nur möglich, wenn die betroffene Person innerhalb der letzten fünf Jahre davor gesetzlich krankenversichert war. Bestand also in den letzten fünf Jahren für mindestens einen Tag eine gesetzliche Krankenversicherungspflicht, bleibt auch nach Vollendung des 55. Lebensjahres die Krankenversicherungspflicht bestehen, so dass dadurch der Weg in die gesetzliche Krankenversicherung eröffnet ist.
  2. Auch wenn in den letzten fünf Jahren keine gesetzliche Krankenversicherung wie in Punkt 1 beschrieben, vorlag, kann ausnahmsweise auch nach Vollendung des 55. Lebensjahres in die gesetzliche Krankenversicherung gewechselt werden. Vorausgesetzt, die betreffende Person war in den letzten fünf Jahren an höchstens 900 Tagen (= die Hälfte von in den letzten 5 Jahren) von der gesetzlichen Krankenversicherung aus schädlichen, sog. qualifizierten Gründen befreit. Schädlich ist etwa eine Befreiung wegen Überschreitens der Jahresentgeltgrenzen oder wegen Ausübung einer selbständigen Tätigkeit. War die betreffende Person in den letzten fünf Jahren an mindestens 900 Tagen aus anderen, (als unschädlich einzustufenden Gründen) nicht gesetzlich krankenversichert, bleibt auch nach Vollendung des 55. Lebensjahres der Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung eröffnet. Das ist beispielsweise der Fall, wenn jemand nach langem Auslandsaufenthalt in Deutschland tätig wird oder wenn jemand jahrelang Sozialhilfeleistungen in Anspruch genommen hat.
  3. Bei absoluter gesetzlicher Versicherungsfreiheit ist eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung verwehrt, selbst wenn die unter 1. und 2. genannten Voraussetzungen vorliegen würden.

Nicht jedem ist bekannt, dass Versicherten über 55 Jahren der Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung endgültig verwehrt ist, wenn in den letzten fünf Jahren keine gesetzliche Krankenversicherung bestanden hat und ein qualifizierter Grund für die fehlende Krankenversicherungspflicht vorlag. Ein solcher qualifizierter Grund ist beispielsweise das Überschreiten der Jahresentgeltgrenze oder auch die Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit für mindestens 900 Tage. Auch bei absoluter gesetzlicher Versicherungsfreiheit wird der Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung verwehrt.

Darüber hinaus gibt es Nachteile in der gesetzlichen Krankenversicherung, denen sich wechselwilligen Privatpatienten oft nicht bewusst sind:

  • Nur die wenigsten wissen, dass eine Familienversicherung in der GKV spätestens mit Rentenbeginn endet, so dass jeder Ehepartner für sich selbst die GKV-Beiträge aufbringen muss.
  • Auch ist nicht jedem bekannt, dass die gesetzliche Krankenkasse ab Rentenbeginn bis zum Lebensende den Beitrag bis zum Höchstbeitrag erhebt, auf alle Einkunftsarten, inklusive ausgezahlter Betrieblicher Altersversorgung, Zins- und Kapitaleinnahmen, ausgezahlter Lebensversicherungsverträge etc., wenn man nicht 90% der zweiten Berufshälfte gesetzliches Kassenmitglied war.

Wer diese Informationen erhält, nimmt üblicherweise Abstand von Überlegungen, in die gesetzliche Krankenkasse wechseln zu wollen.

Tarifoptimierung statt Wechsel

Eine Tarifoptimierung im bisherigen Vertrag wie etwa ein Beitragsentlastungstarif im Alter, das Zugangsrecht zum preisgünstigen Standardtarif für Rentner, beitragsreduzierende Maßnahmen wie Wegfall des gesetzlichen Zuschlags und Krankentagegeldtarifes zum Rentenbeginn sind die sehr viel sinnvolleren Lösungen für PKV-Versicherte.

Den identischen Krankenversicherungszuschuss zur GKV oder PKV gibt es übrigens von der Agentur für Arbeit bei Arbeitslosigkeit für Angestellte ebenso wie den identischen Zuschuss zur GKV oder PKV für Rentner der gesetzlichen Rentenversicherungsträger. Gut zu wissen…

Und noch ein Tipp: Ist jemand PKV-versichert und von der GKV-Pflicht rechtsgültig befreit oder älter als 55 Jahre, so übernimmt zum Beispiel die Agentur für Arbeit bei Leistungsbezug auch den vollen Beitrag zur PKV und zur Pflicht-Pflegeversicherung (bis zur Höhe des Beitrags, der für den Basistarif fällig werden würde).

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