BaufiWissen: Welche Auswirkungen hat das Handeln der EZB wirklich?

Kurz bevor EZB-Chef Dragi im Oktober sein Amt an seine Nachfolgerin Christine Lagarde abgeben wird, hat er im September noch ein letztes Mal selbst an der geldpolitischen Stellschraube für Europa gedreht.

Der Einlagezins, den Banken zahlen müssen, liegt seitdem bei – 0,5 %. Daneben nimmt die Notenbank das Ende 2018 eingestellte Programm zum Kauf von Staatsanleihen der Euroländer wieder auf. Ab 1. November wird sie dafür auf unbestimmte Zeit monatlich 20 Milliarden Euro ausgeben. Der Leitzins bleibt weiterhin auf dem Rekordtief von 0%.

Aber welche Auswirkungen hat eine solche Entscheidung, welche Reaktionen wünscht sich die EZB, und wie sind die Stimmen aus dem Markt dazu?

Was man wissen sollte: Gemäß einer Stellungnahme der Commerzbank handelt es sich rechnerisch gar nicht um eine echte Verteuerung ihres bei der EZB „geparkten“ Geldes, denn zeitgleich wurden die Freibeträge ausgeweitet, was die Zinssenkung überkompensierte. Am Ende sind die Geldeinlagen der Kreditinstitute bei der EZB  dadurch unterm Strich sogar günstiger geworden.

Profitieren können von der weiterhin lockeren Geldpolitik zumindest auf den ersten Blick alle, die demnächst eine Immobilie finanzieren wollen. Hatten die Konditionen für Immobiliendarlehen direkt vor der letzten EZB-Entscheidung noch einmal kurz angezogen, sind sie anschließend umgehend wieder gefallen und liegen heute so günstig wie noch nie. Ein Blick ins septemberliche Tagesgeschäft ließ zeitweise fast schon Orientierungslosigkeit bei den Banken vermuten, so hoben einige Institute ihre Darlehenszinsen leicht an, während andere hingegen senkten oder sogar angekündigte Änderungen zurückzogen. Mittlerweile hat man sich aber wieder auf eine Seitwärtsausrichtung mit leichtem Abwärtstrend geeinigt.

Da überrascht es nicht, dass nicht nur in Finanzkreisen die Diskussion um mögliche Negativzinsen immer wieder an Fahrt gewinnt. Ist es wirklich möglich, dass Sparer bald für ihre Einlagen bezahlen müssen, und Finanzierungskunden wohlmöglich dafür entlohnt werden, dass sie den Banken Geld abnehmen?

Ein Gedanke, der so abstrakt wie unmöglich erscheint und der dennoch immer häufiger laut ausgesprochen wird.

Während große deutsche Geldhäuser wie die Deutsche Bank oder auch die Commerzbank negative Zinsen für Immobilienfinanzierungen derzeit noch offiziell ausschließen, fangen regionale Institute wie Sparkassen und Volksbanken schon damit an, von Ihren Kunden „Strafzinsen“ im Einlagengeschäft zu verlangen.

So schön die günstigen Zinsen für Häuslebauer erscheinen, so überrascht sind viele von den Preisen, die aktuell für ein Eigenheim aufgerufen werden.  Denn im Gegenzug steigen die Preise für Immobilien stark an, was nicht zuletzt in dem nach wie vor bestehenden Mangel an verfügbaren Immobilien begründet ist. Aber auch die lockere Geldpolitik der EZB befeuert diese Entwicklung zusätzlich. Zahlen die Käufer also mehr für ihre neue Eigentumswohnung, als das zu „normalen“ Zeiten der Fall wäre, stehen sie am Ende trotz niedriger Zinsen kaum besser da. Dazu kommt, dass Finanzexperten vor Blasen warnen, gerade bei den Immobilien.

Analysten und Wirtschaftsweise stellen die Wirksamkeit der aktuellen EZB-Maßnahmen währenddessen durchaus in Frage. So hätten sich viele gewünscht, dass die EZB ihre Geldpolitik eine Weile unverändert lässt und sich ein wenig in Geduld übt.

Die gewählten Maßnahmen seien „Instrumente, die Krisensituationen vorbehalten seien“, und „eine solche Krise liege weder politisch noch wirtschaftlich vor“. Zudem wären nun „die geldpolitischen Weichen auf Monate gestellt“, sodass ein „frischer Blick auf die geldpolitische Strategie nur erschwert möglich ist“.

Auf der anderen Seite wird von Frau Lagarde gar kein Richtungswechsel erwartet. Der Rückgang des Eurokurses im Verhältnis zum US-Dollar, der seit der Wahl der zukünftigen EZB-Präsidentin zu beobachten ist, lässt Investoren schon darauf wetten, dass sie die lockere Geldpolitik sogar noch ins Extreme treiben könnte.

Bei aller Kritik am aktuellen Handeln der EZB bleibt ein hypothetisches Gedankenspiel interessant:

Was passiert, wenn die EZB den Forderungen nach höheren Zinsen nachgeben würde?


Autorin:
Maren Straatmann Abteilungsleitung Finanzierung u. Prokuristin

Quelle statistischer Erhebungen: Tagesspiegel/FAZ/Spiegel/Der Tagesspiegel

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