Beratungsbedarf: Tarifvertrag medizinische Fachberufe

  1. Für wen gelten die Tarifverträge zur betrieblichen Altersvorsorge?

Die Tarifverträge gelten automatisch und zwingend, wenn

  • der ärztliche Arbeitgeber in der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Medizinischen Fachangestellten, Herbert-Lewin-Str. 1, 10623 Berlin,
  • der tierärztliche Arbeitgeber im Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V., Hahnstr. 70, 60528 Frankfurt am Main,
  • der zahnärztliche Arbeitgeber in der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Zahnmedizinischen Fachangestellten, Rhonestr. 4, 60528 Frankfurt am Main,

und

  • die Medizinische Fachangestellte,
  • die Tiermedizinische Fachangestellte,
  • die Zahnmedizinische Fachangestellte in Hamburg, Hessen, im Saarland und im Landesteil Westfalen-Lippe

im Verband medizinischer Fachberufe e.V., Gesundheitscampus-Süd 33, 44801 Bochum, organisiert sind.

In diesem Fall darf nicht zum Nachteil der Mitarbeiterinnen von den Tarifverträgen abgewichen werden.

Die Tarifverträge gelten aber auch dann, wenn im Arbeitsvertrag ausdrücklich auf die Tarifverträge Bezug genommen wurde. Viele Arbeitsverträge beinhalten nur eine Bezugnahme auf den Mantel- und/oder auf den Gehaltstarifvertrag. Eine Ankoppelung des Tarifvertrages zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung erfolgt in diesen Fällen:

  • für Medizinische Fachangestellte über § 5 des Gehaltstarifvertrages oder § 13 des Manteltarifvertrages,
  • für Tiermedizinische Fachangestellte über § 4 a des Gehaltstarifvertrages oder § 10 a des Manteltarifvertrages,
  • für Zahnmedizinische Fachangestellte in Hamburg, Hessen, im Saarland und im Landesteil Westfalen-Lippe über § 4 a des Vergütungstarifvertrages oder § 11 a des Manteltarifvertrages.

2. Welche Neuerungen ergeben sich aus dem Betriebsrentenstärkungsgesetz –
insbesondere dann, wenn keine Tarifbindung besteht?

  • Ab 2019 besteht auch ohne tarifgebundenen Arbeitsvertrag bei Entgeltumwandlung einen Anspruch auf einen Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 15 % des umgewandelten Betrages. Dieser ist vom Arbeitgeber bei Verträgen, die ab 01.01.2019 abgeschlossen werden, zusätzlich als Arbeitgeberzuschuss zu dem umgewandelten Betrag an die Pensionskasse oder die Direktversicherung weiterzuleiten, soweit er durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge einspart.
  • Darüber hinaus gibt es seit 2018 einen neuen Anreiz für deinen Arbeitgeber, Geringverdiener bei der Altersvorsorge zu unterstützen. Nach dem Betriebsrentenstärkungsgesetz kann dein Arbeitgeber dir bei einem Einkommen von 2.200 € brutto oder weniger monatlich 20 bis 40 € zusätzlich zu deinem Gehalt als betriebliche Altersvorsorge zahlen und 30 % dieses Betrages von der Lohnsteuer abziehen. Dieser Steuervorteil kann eine Motivation für den Arbeitgeber sein, einen Beitrag zur betrieblichen Altersversorgung zu leisten.
  • Natürlich kann der Arbeitnehmer, auch wenn er keinen tarifgebundenen Arbeitsvertrag hast, mit dem Arbeitgeber vereinbaren, dass die betriebliche Altersvorsorge auf der Grundlage eines Tarifvertrages für eine andere Berufsgruppe oder ein anderes Bundesland gezahlt wird. So könnten Zahnmedizinische Fachangestellte, die in einem Bundesland arbeiten, in dem kein Tarifvertrag besteht, mit dem Arbeitgeber übereinkommen, dass die Tarifverträge zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung für die Zahnmedizinische Fachangestellte in Hamburg, Hessen, im Saarland und im Landesteil Westfalen-Lippe maßgeblich sind. Dies könnten natürlich auch die Zahntechniker/-innen mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren. Aber auf alle Verträge, die ab dem 01.01.2018 abgeschlossen werden, kann die staatliche Förderung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes angewendet werden.
  • Wie hoch sind die Arbeitgeberbeiträge für Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigte und Auszubildende?

Auch hier muss zwischen den Medizinischen, Tiermedizinischen und Zahnmedizinischen Fachangestellten unterschieden werden.

Für Medizinische Fachangestellte gelten nach Tarif seit dem 01.04.2016 folgende Arbeitgeberbeiträge:

  • Vollzeitbeschäftigte und Teilzeitbeschäftigte mit mindestens 18 Wochenstunden: 76 €/Monat
  • Teilzeitbeschäftigte mit weniger als 18 Wochenstunden: 43 €/Monat
  • Auszubildende nach der Probezeit: 53 €/Monat

Für Tiermedizinische Fachangestellte gelten nach Tarif seit dem 01.04.2017 folgende Arbeitgeberbeiträge:

  • Vollzeitbeschäftigte und Teilzeitbeschäftigte mit mindestens 20 Wochenstunden: 45 €/Monat
  • Teilzeitbeschäftigte mit weniger als 20 Wochenstunden: 27,50 €/Monat
  • Auszubildende nach der Probezeit: 45 €/Monat

Für Zahnmedizinische Fachangestellte in Hamburg, Hessen, im Saarland und im Landesteil Westfalen-Lippe gelten nach Tarif seit dem 01.01.2015 folgende Arbeitgeberbeiträge:

  • Vollzeitbeschäftigte und Teilzeitbeschäftigte mit mindestens 20 Wochenstunden: 45 €/Monat
  • Teilzeitbeschäftigte mit weniger als 20 Wochenstunden: 27,50 €/Monat
  • Auszubildende nach der Probezeit: 45 €/Monat

·         4. Kann ich von meinem eigenen Gehalt etwas beitragen?

  • Die Tarifverträge sehen neben dem Arbeitgeberbeitrag die Möglichkeit der Entgeltumwandlung vor. Danach können die Beschäftigten grundsätzlich Ansprüche, wie 13. Monatsgehalt, besondere Zuwendung, vermögenswirksame Leistungen oder sonstige Entgeltbestandteile (z.B. Betrag x des Gehaltes), umwandeln.
  • Macht die Beschäftigte von der Möglichkeit Gebrauch, kann sie nach den Tarifverträgen einen Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 20 Prozent des umgewandelten Betrages beanspruchen. Ein Beispiel: Wandelt sie 30 € vermögenswirksame Leistungen um, so muss der Arbeitgeber 6 € zusätzlich in die betriebliche Altersvorsorge zahlen.
  • Der Tarifvertrag für Medizinische Fachangestellte sieht einen Arbeitgeberzuschuss in Höhe von mindestens 10 € monatlich vor, sodass ggf. der Arbeitgeberzuschuss entsprechend aufzustocken ist.
  • Die Möglichkeit der Eigenbeteiligung (Entgeltumwandlung) ist grundsätzlich nach dem Betriebsrentengesetz gegeben – auch wenn kein Tarifvertrag gilt. Bei Verträgen, die ab 01.01.2019 abgeschlossen werden, hat der Arbeitgeber bei Entgeltumwandlung, die in eine Pensionskasse oder Direktversicherung fließt, einen Zuschuss in Höhe von 15 % des umgewandelten Betrages zusätzlich zu zahlen, soweit er durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge einspart.

Autor:
Claudia Tüscher, Teamleitung Vorsorgemanagement baV

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