Ein Fall aus dem maxpool-Leistungsservice So spielt die Musik

Paul Schulz (Name geändert) ist Diplom-Musikpädagoge, klassischer Gitarrist und im gesamten europäischen Raum ein vielgefragter Künstler. Bei seinen Auftritten benötigt er teilweise unterschiedlichste Gitarren und möchte seine „Schätze“ entsprechend versichern.

Am 25. Januar 2017 lässt er sich von seinem Makler bezüglich einer Musikinstrumentenversicherung beraten. Da nur wenige Gesellschaften diese spezielle Versicherung  anbieten, ist schnell eine Auswahl getroffen. Der Makler beantragt gemeinsam mit Schulz online den Versicherungsschutz für dessen Konzertgitarre „Fuerte II Spezial Michael Wiechmann“ inkl. Zubehör mit einem Wert in Höhe von 7.400 Euro. Im Online-Antragsformular wird neben den üblichen Fragen zum Versicherungsnehmer und zum Wert des Musikinstrumentes auch die Frage nach einer Vorversicherung gestellt.

Herr Schulz äußert seinem Makler gegenüber, dass er die zu versichernde Gitarre erst letztes Jahr erworben habe und hierfür erstmalig Versicherungsschutz beantrage. Folglich wird die Frage nach der Vorversicherung im Antrag mit nein beantwortet. Wenige Tage später erhält Herr Schulz den Versicherungsschein mit dem gewünschten Versicherungsbeginn zum 01. Februar 2017.

Am 15. Mai nimmt der Musiker an einer Veranstaltung in der Hochschule der Künste in Bremen teil und spielt ein Stück auf seiner neu versicherten Gitarre. In der Mittagspause verstaut er diese im dazugehörigen Etui und nimmt sie mit nach draußen, um auf einer Parkbank in Ruhe zu essen und die Sonne zu genießen. Dabei schläft er für einen kurzen Moment ein. Als er wieder aufwacht, muss er feststellen, dass jemand seine Gitarre gestohlen hat. Passanten helfen ihm zwar bei der Suche nach der Gitarre beziehungsweise dem Täter, jedoch ohne Erfolg. Noch am selben Tag erstattet er Anzeige bei der zuständigen Polizei und meldet den Diebstahl seiner Versicherung. Am 22. Juni erhält er indes anstelle der erhofften Erstattung ein Rücktrittsschreiben der Gesellschaft sowie eine Leistungsablehnung.

Die Gesellschaft wirft Herrn Schulz eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung vor. Bei internen Recherchen war der Gesellschaft aufgefallen, dass sie im System bis dahin drei Versicherungsverträge von Herrn Schulz mit Laufzeiten von fünf Jahren, vier Monaten und sechs Wochen gespeichert hatte. Jede der versicherten Gitarren ist nach Angabe der Gesellschaft gestohlen worden.  Der Versicherer verweist auf die falsch ausgefüllte Antragsfrage nach einer Vorversicherung und macht nach Paragraf 19 VVG von seinem Rücktrittsrecht zum Vertragsbeginn Gebrauch. Gleichzeitig wirft die Gesellschaft Schulz grobe Fahrlässigkeit vor, da er nicht das erste Mal an öffentlichen Orten eingeschlafen und bestohlen worden sei. Es hätte mit seinem Schadenverlauf aus der Vergangenheit erwartet werden können, dass er anders handelt, um einen etwaigen Diebstahl zu verhindern. Hilfesuchend wird nun der maxpool-Leistungsservice einschaltet.

„Im Leistungsservice lernt man nie aus.“ (Sissy Wolter, maxpool-Leistungsservice)

„Ich wusste bislang gar nicht, dass es überhaupt eine Musikinstrumentenversicherung gibt. Im Leistungsservice lernt man nie aus. Ich habe mich auf die neue Herausforderung gefreut“, sagt Sissy Wolter rückblickend. Das Team nimmt sich zunächst des Antragsformulars an und prüft die Frage nach der Vorversicherung im Detail. „Wir kamen zu dem Schluss, dass die gestellte Frage ´Vorversicherung ja/nein´ keinerlei Hinweis darauf enthält, ob sie sich auch auf alle im Eigentum oder in der Vergangenheit besessenen Instrumente bezieht. Folglich musste und konnte der Kunde davon ausgehen, dass mit der Frage nur die für das einzelne Instrument als zu versicherndes Risiko bestehenden oder bestandenen Versicherungen gemeint war. Die Frage nach einer Vorversicherung zum Beispiel in der Wohngebäudeversicherung bezieht sich schließlich auch nur auf das zu versichernde Gebäude. Eine derart ungenaue Formulierung darf nicht zu Lasten des Versicherungsnehmers gehen“, erklärt Wolter weiter.

In Paragraf 19 Abs. 5 VVG ist geregelt, dass das Versicherungsunternehmen bei einer Anzeigepflichtverletzung nur dann vom Rücktrittsrecht Gebrauch machen kann, wenn es den nicht angezeigten Gefahrenumstand – im vorliegenden Fall die bereits bestehenden, alten Verträge – nicht kannte. Die nach eigenen Angaben der Gesellschaft  angestellten internen Recherchen bestätigen jedoch, dass der Versicherer die Daten bei Antragsprüfung die Daten bereits hätte überprüfen können, um den Antrag gegebenenfalls. abzulehnen. Schulz hatte all seine Instrumente ausnahmslos über diese Gesellschaft versichert, so dass man von einer Kenntnis des Versicherers über die Vorschäden ausgehen kann.  „Ist die Gesellschaft nicht selbst schuld, wenn sie es bei der Aufnahme des Antrags versäumt, den Kunden bzw. seine alten Verträge zu überprüfen?“, fragt Wolter.

„Eine ungenaue Formulierung darf nicht zulasten des Versicherungsnehmers gehen.“ (Sissy Wolter, maxpool-Leistungsservice)

Nachdem der Leistungsservice dem Rücktritt widersprochen hat, muss das Team den Vorwurf einer groben Fahrlässigkeit entkräften. Nach einem ausführlichen Telefonat mit Herrn Schulz relativieren sich viele Vorwürfe der Gesellschaft. Laut Schulz ereigneten sich die Vorschäden während eines Zeitraums von mehr als 20 Jahren. „Bei einem Musiker, der von Berufs wegen täglich mit mehreren Musikinstrumenten unterwegs ist, sind vier Schäden innerhalb eines derart langen Zeitraums nicht außergewöhnlich“, erklärt Wolter. Zudem entkräftet Herr Schulz die Angabe des Versicherers, dass es in der Vergangenheit bereits drei Diebstähle gegeben hätte. Vielmehr sei Ende der 1980er-Jahre eine Gitarre zu Bruch gegangen. Nur Mitte der 1990er Jahre sei ihm im öffentlichen Nahverkehr eine Gitarre entwendet worden, während er für fünf Minuten die Augen geschlossen hatte, und 2014 sei er Opfer einer Trickdiebstahl-Bande geworden. „Der Vorwurf der Versicherungsgesellschaft, Herr Schulz hätte aus der Vergangenheit wissen müssen, dass das Einschlafen an öffentlichen Plätzen zu einem Diebstahl führt, und sich somit grob fahrlässig verhalten, ist nicht nachvollziehbar“, so Wolter.

Auch im aktuellen Schadensfall gab es weder Anzeichen der Müdigkeit bei Paul Schulz noch sonstige Anhaltspunkte, die auf ein baldiges Einschlafen hindeuteten. Weiterhin gilt im Allgemeinen eine Parkbank auf dem Hochschulgelände nicht als bedeutender Gefahrenbereich für einen Diebstahl beziehungsweise ist die Gefahr nicht größer als anderswo.

Wolter fasst zusammen: „Die unzureichende Antragsprüfung sowie die unpräzise Formulierung der Vorversicherungsfrage im Antrag führten letztlich zu einer Fehlentscheidung des Versicherers, welche nicht zu Lasten des Kunden gehen darf.“

Dieser Beitrag ist in der poolworld 03/2017 erschienen.

Ein Kommentar zu Ein Fall aus dem maxpool-Leistungsservice So spielt die Musik

  1. Mir fehlen immer wieder die Worte wenn man liest, wie man mit spitzfindigen und an den Haaren herbeigezogenen Formulierungen Kunden im ersten Anschreiben verunsichern kann. Kunden mit gutem Makler an ihrer Seite erreichen immer mehr. Wenn dann auch noch maxpool ins Boot geholt werden kann, umso besser.
    Kurzer eigener Hinweis: Generali München hat über 13 Monate die BU Leistung herausgezögert. Durch einen Zufall im Gespräch mit maxpool, habe ich die Rechtsabteilung einschalten können und siehe da: nach nur 2,5 Monaten wird nun die BU Rente gezahlt. Mein Kunde hat sich riesig gefreut. Er sagte mir später: „Ohne dich hätte ich längst aufgegeben und stände heute mit Hartz 4 da!“

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